Nachname:
Danneberg-Löw
Vorname:
Franziska
Epoche:
20. Jahrhundert
Arbeitsgebiet:
Soziale Arbeit
Geburtsort:
Wien (AUT)
* 02.01.1916
† 28.11.1997
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Österreichische Fürsorgerin, Widerstandsarbeit im nationalsozialistisch besetzten Wien.

 

„Franzi“ Löw (1916-1997) wurde 1916 in eine mittelständische jüdische Familie geboren. Nach ihrer Matura 1934 absolviert sie eine Diplom-Ausbildung an der Fürsorgerinnenschule von Ilse Arlt in Wien (Simon 2013; Steinhardt 2012). Ab 1937 arbeitete sie in einer Kindertagesstätte und ab 1938 in der Fürsorgezentrale der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde (IKG). Nach der „Reichskristallnacht“ und der nationalsozialistischen Besetzung Österreichs 1938 schützte sie einige von den deportierten Männern getrennte Familien durch Obdach und versorgte sie mit Nahrung von Bäckern, die den Widerstand belieferten. Löw war Vormund für ca. zwanzig von jüdischen Flüchtlingen zurückgelassene und als „geistig behindert“ geltende Kinder, die gegen Löws‘ Willen deportiert wurden. Sie konnte einige Heimkinder der IKG vor dem Abtransport mit gefälschten Taufscheinen und Fehlinformationen über Herkunft und „Rasse“ retten, darunter den später als Bodybuilder prominent gewordenen Harry Gelbfarb. Ab 1942 wurden vierzig von insgesamt siebzig Heimkindern aus dem Heim Tempelgasse, in dem Löw arbeitete, deportiert. Ab 1939 versorgte sie ca. dreißig versteckt lebende Verfolgte und 1944 organisierte sie Verstecke für ungarische Juden in Kellern von „nicht-jüdischen“ Familien.

 

Ab 1945 baute Löw die Fürsorge für Körperbehinderte in Wien auf und war Hauptfürsorgerin der Stadt bis 1979. 1948 heiratete sie ihren Mann, den Richter Wilhelm Danneberg, den Sie bereits um 1936 kennen lernte, aber zu dem sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft keine offizielle Beziehung aufnehmen konnte (Steinhardt, S. 22 u. 110). Nach ihrer Pensionierung 1979 wurden 1991/92 Interviews mit ihr für das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands geführt. Franzi Danneberg-Löw starb im November 1997 im Alter von 81 Jahren in Wien.

 

Auszeichnungen

1966: Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich.

 

Literatur

Adunka, E. (2000): Die vierte Gemeinde. Die Geschichte der Wiener Juden von 1945 bis heute. Berlin: Philo.

Böhler, R. (2007): Die Entwicklung jüdischer Fürsorglichkeit in Wien zwischen 1929 und 1945. In: E. Berger (Hg.): Verfolgte Kindheit. Kinder und Jugendliche als Opfer der NS-Sozialverwaltung. Wien: Böhlau, S. 277-302.

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (1992): Erzählte Geschichte. 3. Bd. Jüdische Schicksale. Berichte von Verfolgten. Wien: Bundesverlag.

Gabriel, E., W. Neugebauer (2002): Zur Geschichte der NS-Euthanasie in Wien. Von der Zwangssterilisation zur Ermordung. Wien: Böhlau.

Gruner, W. (2002): Öffentliche Wohlfahrt und Judenverfolgung. Wechselwirkungen lokaler und zentraler Politik im NS-Staat. 1933-1942. Oldenbourg: Gruner.

Rabinovici, D. (2000): Instanzen der Ohnmacht. Wien 1938-1945. Der Weg zum Judenrat. Frankfurt am Main: Jüdischer.

Simon, M. D. (2013): Franziska Danneberg-Löw. Eine jüdische Fürsorgerin in Wien in der Zeit des Nationalsozialismus. In: J. Pflegerl, M. Vyslouzil, G. Pantucek (Hg.): Passgenau helfen. Soziale Arbeit als Mitgestalterin gesellschaftlicher und sozialer Prozesse. Wien: Lit.

Simon, M. D. (2013): Franzi Löw. 1916-1997. In: Soziale Arbeit 62, (7), S. 296-297.

Steinhardt, B. (2012): Franzi Löw. Eine jüdische Fürsorgerin im nationalsozialistischen Wien. Unter besonderer Berücksichtigung der NS-Zeit. [Unveröffentlichte Diplomarbeit]. Universität Wien.

 

Robin Pape

 

 

Zitierweise
Robin Pape (2015): Danneberg-Löw, Franziska.
In: Biographisches Archiv der Psychiatrie.
URL: www.biapsy.de/index.php/de/9-biographien-a-z/65-danneberg-loew-franziska
(Stand vom:19.12.2018)