Nachname:
Aubrey
Vorname:
Rachel
Epoche:
20. Jahrhundert
Arbeitsgebiet:
Psychoanalyse
Psychotherapie
Soziale Arbeit
Geburtsort:
Berlin (DEU)
* 09.09.1921
† 19.09.2011
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Deutsch-amerikanische Psychotherapeutin und Sozialarbeiterin.

 

Rachel Dorothea Aubrey (1921-2011; geb. Löwe) wurde in Berlin als erste Tochter des deutsch-jüdischen Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlers Adolf Löwe (1893-1995) und der Sozialfürsorgerin Beatrice Löwe geboren (Aubrey & Marx 1995, S. 36; Caspari & Schefold 1996).

 

Emigration und Ausbildung

Am 2. April 1933 floh die Familie aus Frankfurt am Main über Basel und Genf nach England, wo ihr Vater ab Herbst 1933 an der Universität Manchester lehrte und seine Tochter die High-School besuchte. 1939 änderte die Familie nach der britischen Einbürgerung ihren Namen in Lowe. 1940 wurde die Familie aufgrund der deutschen Bedrohung Englands nach Wales umgesiedelt, von dort emigrierte sie in die USA (New York). Dort erhielt Rachel Aubrey 1940 ein Stipendium am Smith College, studierte Psychologie und belegte zusätzlich einen Kurs für deutsche Literatur. Nach ihrem Abschluss ging sie an die Smith School for Social Work, lernte als Praktikantin in der psychiatrischen Klinik des Massachusetts General Hospital und arbeitete dort von 1942 bis 1943 u. a. unter Erich Lindemann (1900-1974). Aubrey war zunächst mit Henry G. Aubrey verheiratet und nach der Scheidung in zweiter Ehe mit Dankwart A. Rustow, wobei Paul Tillich am 11. Oktober 1947 die Traupredigt hielt (vgl. Graf 2012).

 

Akademische Lehre und Psychotherapie

Ab Ende der vierziger Jahre hielt sie sich mit Ihrem Mann in Schweden und zwei Jahre in der Türkei auf. Aubrey (1962) begann 1954 mit interkulturellen Studien zum Ehe- und Familienleben türkischer Frauen in Ankara. Nach 14 Jahren kam sie nach New York zurück. Ab 1963 arbeitete sie als Therapeutin an der Columbia University und lehrte dann zwanzig Jahre lang am Teacher College (Columbia) und am City College (New York), wo sie Kurse und Praktika für den Bereich Mental Health einrichtete. Ab 1959 durchlief sie eine vier Jahre dauernde Ausbildung zur Psychotherapeutin am Alfred Adler Institute (New York) und machte eine zweite Lehranalyse am William Alanson White Institute. Sie wurde Mitglied des Institute für Contemporary Psychotherapy in New York und war ab 1973 Senior Staff Therapist an der Columbia University in New York und später Mental Health Consultant für das International Student Office (Aubrey 1991). Sie führte eine Privatpraxis und gab Workshops in interkultureller Therapie für Ärzte, Krankenschwestern und Sozialarbeiter. 1982 führte sie erstmals einen Workshop in Deutschland durch. 2001 zog Rachel Aubrey (2006) in eine betreute Pflegegemeinschaft in Hanover (New Hampshire) und gründete dort eine Gruppe zur Traumarbeit. Sie starb 2011 in Hanover im Alter von 91 Jahren.

 

Aubreys Verdienste liegen insbesondere im Aufbau der interkulturellen psychosozialen Forschung und Versorgung in den USA (Aubrey & Marx 1995, S. 44).

 

Literatur

Aubrey, R. (2006): Dream Sharing in a Retirement Community. In: DreamTime 23, (2), S. 12-41.

Aubrey, R. (1991): International Students on Campus: A Challenge for Counselors, Medical Providers, and Clinicians. In: Smith College Studies in Social Work 62, (1), S. 20-33.

Aubrey, R. (1988): Separation and Loss in University Mental Health Work. In: The Journal of the American Academy of Psychoanalysis and Dynamic Psychiatry 16, (2), S. 221-234.

Aubrey, R. (1962): Family Living and Child Rearing in Modern Turkey. Princeton.

Aubrey, R., H. Marx (1995): Rachel Aubrey. „Wie kannst Du Dein Leben so riskieren…“. In: J. Wieler, S. Zeller (Hg.): Emigrierte Sozialarbeit. Portraits vertriebener SozialarbeiterInnen, S. 36-44.

Aubrey Rustow, R. (1977): Adolescents and Death. In: E. R. Prichard: Social Work with the Dying Patient and the Family. New York: Columbia University Press, S. 132-133.

Caspari, V., B. Schefold (1996; Hg.): Franz Oppenheimer und Adolph Lowe. Zwei Wirtschaftswissenschaftler der Frankfurter Universität. Marburg: Metroplis.

Graf, F. W. (2012): Edition: Eine unbekannte Traupredigt Paul Tillichs. In: Journal for the History of Modern Theology / Zeitschrift für Neuere Theologiegeschichte 19, (1), S. 141–151.

Krohn, C. D. (1987): Wissenschaft im Exil. Deutsche Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler in den USA und die New School for Social Research. Frankfurt, New York: Campus.

 

Robin Pape, Burkhart Brückner

 

Zitierweise
Robin Pape, Burkhart Brückner (2015): Aubrey, Rachel.
In: Biographisches Archiv der Psychiatrie.
URL: www.biapsy.de/index.php/de/9-biographien-a-z/215-aubrey-rachel-dorothea
(Stand vom:16.12.2018)