Jacobi, Carl Wigand Maximilian
Nachname:
Jacobi
Vorname:
Carl Wigand Maximilian
Epoche:
18. Jahrhundert
19. Jahrhundert
Arbeitsgebiet:
Medizin
Psychiatrie
Geburtsort:
Düsseldorf (DEU)
* 10.04.1775
† 18.05.1858
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Arzt und Leiter der ersten Irrenheilanstalt des Rheinlandes in Siegburg.

 

Carl Wigand Maximilian Jacobi (1775-1858) wurde als jüngster Sohn des Schriftstellers und Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi und seiner Frau Helene Elisabeth in Düsseldorf geboren. Er leitete 33 Jahre lang die Reformanstalt Siegburg in der preußischen Rheinprovinz. Jacobi gilt als Mitbegründer der klinischen Analyse psychischer Störungen, wobei er diese nicht als selbständige Formen, sondern als Symptome somatischer Erkrankungen auffasste (vgl. Wiegelmann 2012).

 

Lebensweg

Jacobi studierte 1793 bis 1795 in Jena und dann in Göttingen Medizin. 1797 promovierte er an der Universität Erfurt zum Doktor der Medizin. 1798 heiratete er Anna Frederike Petrina Claudius (1777-1856), eine Tochter des Dichters Mathias Claudius. Kurz nach Aufnahme seiner ärztlichen Arbeit in Vaals 1799 ließ er sich als Stiftsarzt in Eutin nieder. Durch Übersetzungen von Herodot, Thukydides und Platon besserte er sein ärztliches Einkommen auf. 1803 bis 1804 erfolgte eine chirurgische Ausbildung in London. Von 1805 bis 1811 war er als Medizinalrat und Leiter des bayerischen Gesundheitswesens in München tätig und von 1812 bis 1815 leitete er das St. Johann-Spital in Salzburg. 1816 zog er zurück nach Düsseldorf, wo er bis 1824 als Regierungs- und Medizinalrat wirkte. Bekannt ist auch Jacobis Schriftwechsel mit Johann Wolfgang von Goethe (vgl. Herting 1930, S. 21-51).

 

Pionierarbeit in Siegburg

Am 1. Januar 1825 übernahm Jacobi die Leitung der neu eröffneten Reformanstalt Siegburg bei Bonn in der preußischen Rheinprovinz. Kurz zuvor behandelte der Kliniker Christian Friedrich Nasse, damals Leiter der Medizinischen Klinik zu Bonn, erfolgreich Jacobis lebensgefährliche, entzündliche Hirnerkrankung. Nasse wurde ein vertrauter Freund, ab 1837 gaben sie gemeinsam die Zeitschrift für die Beurteilung und Heilung der krankhaften Seelenzustände heraus. Jacobi leitete die Anstalt Siegburg bis an sein Lebensende, die letzten drei Jahre als Geheimer Medizinalrat. Die Anstalt war personell überdurchschnittlich gut ausgestattet und galt bald als überregional bekannte Lehr- und Lernstätte für an der Irrenheilkunde interessierte Ärzte. Kritisch betrachtet wurde die Einengung der Aufnahmeindikation auf Personen mit guter Prognose und die Abweisung von als unheilbar krank geltenden Patienten (vgl. Braun 2009; Blasius 1994, S. 24 ff.; Blasius 1980, S. 26 ff.). Der rheinische Landtag scheiterte allerdings ab 1840 mit dem Versuch, die Institution angesichts zunehmender Aufnahmeraten und „staatspolizeilicher Interessen“ in eine Verwahranstalt umzuwandeln.

 

Jacobi setzte psychomoralischen und philosophischen Strömungen in der frühen Psychiatrie den Standpunkt des empirischen Naturforschers entgegen. Psychische Störungen deklarierte er zu Begleitsymptomen von krankhaften Veränderungen des Gesamtorganismus und versuchte sie mit Hilfe detaillierter Krankenblätter und Kurzbiographien zu systematisieren. Seine Werke Annalen der Irrenheilanstalt zu Siegburg (1837) und sein Hauptwerk Hauptformen der Seelenstörungen (1844), galten lange als verdienstvoll. Sein Buch Irrenheilanstalten wurde 1841 ins Englische übersetzt.

 

Literatur

Ansorge, M. (1994): Maximilian Jacobi (1775-1858). Aspekte eines Verhältnisses zwischen philosophisch-religiöser Überzeugung, empirischer Beobachtung und somatischer Psychiatrie in der ersten Hälfte des          19. Jahrhunderts. Medizinische Dissertation, Freie Universität Berlin.

Blasius, D. (1994): Einfache Seelenstörung. Geschichte der deutschen Psychiatrie 1800-1945. Frankfurt am Main: Fischer.

Blasius, D. (1980): Der verwaltete Wahnsinn. Eine Sozialgeschichte des Irrenhauses. Frankfurt am Main: Fischer.

Braun, S. (2009): Heilung mit Defekt. Psychiatrische Praxis an den Anstalten Hofheim und Siegburg 1820-1878. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Herting, J. (1930): Carl Wigand Maximilian Jacobi, ein deutscher Arzt (1775–1858). Ein Lebensbild nach Briefen und anderen Quellen. Görlitz: Starke.

Herting, J. (1921): Maximilian Jacobi (1775-1858). In: T. Kirchhoff: Deutsche Irrenärzte. Einzelbilder ihres Lebens und Wirkens. 1. Bd. Berlin: Springer 1921, S. 83-94.

Jacobi, M. (1837): Annalen der Irren-Heilanstalt zu Siegburg, Bd 1. Köln: DuMont-Schauberg.

Jacobi, M. (1837A): Ausgezeichnete Krankheitsfälle, während der Jahre 1831 bis 1836 beobachtet. In: M. Jacobi (Hg.): Annalen der Irren-Heilanstalt zu Siegburg 1. Köln: DuMont-Schauberg, S. 1-288.

Jacobi, M. (1844): Die Hauptformen der Seelenstörungen und ihre Beziehung zur Heilkunde. Leipzig: Weidmann.

Jacobi, M. (1851): Naturleben und Geistesleben. Leipzig: Weidmann.

Wiegelmann, F. J. (2012): Carl Wigand Maximilian Jacobi (1775-1858). Mediziner, Publizist und Menschenfreund. Bonn: Bernstein.

Wiegelmann, F. J. (2014): Faksimile des Briefes von Maximilian Jacobi an Johann Wolfgang von Goethe. Bonn: Bernstein.

Schulte, H. W. (1961): Maximilian Jacobi. Leben und Lehre. In: Sudhoffs Archiv für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften 45, S. 351-369.

Thom, A. (1987/88): Carl Wigand Maximilian Jacobi (1775-1858) und der Formierungsprozess der medizinischen Betreuung psychisch Kranker in Deutschland. In: Beiträge zur Hochschul- und Wissenschaftsgeschichte Erfurts 21, S. 131-148.

 

Catharina Bonnemann

 

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Zitierweise
Catharina Bonnemann (2015): Jacobi, Carl Wigand Maximilian.
In: Biographisches Archiv der Psychiatrie.
URL: www.biapsy.de/index.php/de/9-biographien-a-z/181-jacobi-carl-wigand-maximilian
(Stand vom:16.12.2018)