Beers, Clifford Whittingham
Nachname:
Beers
Vorname:
Clifford Whittingham
Epoche:
20. Jahrhundert
Arbeitsgebiet:
Psychiatrie
Sozialpsychiatrie
Psychotherapie
Geburtsort:
New Haven (USA)
* 30.03.1876
† 09.07.1943
Biographie drucken

US-amerikanischer Reformer und Gründer der Mental-Hygiene-Bewegung.

 

Clifford Beers (1876-1943) wurde als eines von sechs Kindern der Eheleute Ida und Robert A. Beers in New Haven (USA) in eine Familie der oberen Mittelschicht geboren. Er absolvierte bis 1891 die Grammar School und bis 1894 die High School. Während er von 1894 bis 1897 an der Sheffield Scientific School in Yale studierte, erlitt sein älterer Bruder mehrere epileptische Anfälle und starb ­1900. Auch seine weiteren Geschwister starben krankheitsbedingt. Drei Jahre lang arbeitete Beers bei einer Versicherung, wurde aber, teils durch Überarbeitung, psychisch zunehmend labiler. Ende Juni 1909 versuchte er sich durch einen Fenstersturz umzubringen. Er überlebte und wurde mit schweren Depressionen in insgesamt drei Kliniken behandelt. Nach seiner Entlassung im September 1903 fasste er, wie vor ihm schon Elizabeth Packard (1816-1897), den Entschluss, öffentlich gegen Missstände in amerikanischen Nervenkliniken vorzugehen.

 

Eine Seele, die sich wiederfand

1907 erschien seine vielgelesene Autobiographie A Mind That Found Itself (Eine Seele, die sich wiederfand). Beers beschrieb seine eigene psychotische Erfahrungswelt und kritisierte gravierende Probleme in den Anstalten, insbesondere Misshandlungen von Pflegern. Er betonte, „daß sogenannte verrückte Menschen vielfach erst durch Menschen verrückt gemacht werden, und daß auch Schwerkranke häufig noch gerettet werden können, wenn sie das Glück haben, rechtzeitig eine verständnis- und liebevolle Behandlung zu finden“ (S. 182). Im selben Jahr gründete er die Connecticut Society of Mental Hygiene, um gegen die Stigmatisierung von Patienten und für Prävention und Nachsorge einzutreten. 1909 wurde das National Committee for Mental Hygiene gegründet. Ideell unterstützt von dem Psychologen und Philosophen William James sowie dem führenden amerikanischen Psychiater Adolf Meyer leitete Beers diese Organisation bis 1938. Sie ging später in der National Mental Health Association auf (ab 2007 Mental Health America) und wurde auch von Pharmaunternehmen mitfinanziert. 1913 initiierte Beers die Gründung der ersten Klinik mit einem ambulanten Therapieprogramm in New Haven (heute Clifford Beers Clinic). 1923 bereiste er Belgien, Großbritannien und Frankreich, um das International Committee for Mental Hygiene bekannt zu machen. 1930 trafen sich in Washington (D.C.) 4.000 Vertreter aus insgesamt 51 Staaten zum ersten International Congress of Mental Health. Clifford Beers erlebte wiederholt schwere psychische Krisen, blieb aber lebenslang aktiv. Seine Arbeit war richtungsweisend für die Entwicklung einer präventiv und bürgerschaftlich ausgerichteten Psychiatrie. Er starb 1943 im Alter von 67 Jahren im Butler Hospital in Providence.

 

Auszeichnungen

1922: Honorary M.A., University of Yale.

1933: Ritterkreuz der Ehrenlegion, Frankreich.

 

Literatur

Beers, C. (1907): A Mind That Found Itself. New York: Longmans, Green & Company. [Dtsch.: Eine Seele, die sich wiederfand. Basel: Schwabe 1941].

Beers, C. (1909): The Aftercare of the Insane. New Haven: Bradley & Scoville.

Brody, E. B. (2004): The World Federation for Mental Health. Its Origins and Contemporary Relevance to WHO and WPA policies. In: World Psychiatry 3, (1), S. 54-55.

Cross, W. L. (1934): Twenty-five years after. Sidelights on the mental hygiene movement and its founder. Garden City: Doubleday Doran.

Dain, N. (1980): Clifford W. Beers. Advocate for the Insane. Pittsburgh: Univ. Pittsburgh.

Dowbiggin, I. R. (1997): Keeping America sane. Psychiatry and eugenics in the United States and Canada. 1880-1940. New York: Cornell University.

Roemer, H. (1931): Psychische Hygiene. In: O. Bumke, G. Kolb, H. Roemer, E. Kahn: Handwörterbuch der psychischen Hygiene und der Gesundheitsfürsorge. Berlin, Leipzig: De Gruyter, S. 296-313.

Toms, J. (2012): Political dimensions of ‘the psychosocial’. The 1948 International Congress on Mental Health and the mental hygiene movement. In: History of the Human Sciences 25, (5), S. 91-106.

Winters, E. E. (1969): Adolf Meyer and Clifford Beers, 1907-1910. In: Bulletin of the History of Medicine 43, (3), S. 414-443.

 

Robin Pape

 

Foto: Unbekannt / Quelle:disability history museum.

 

Zitierweise
Robin Pape (2015): Beers, Clifford Whittingham.
In: Biographisches Archiv der Psychiatrie.
URL: www.biapsy.de/index.php/de/9-biographien-a-z/107-beers-clifford-whittingham
(Stand vom:24.04.2017)